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Historische Gasthäuser
Neudenau
Gasthaus Falken
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Anekdoten & Mehr



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Der "Falken" ist das offizielle Gasthaus der Neudenauer Zünfte

Was eine Zunft ist, erklärt der Duden so: Zusammenschluss von dasselbe Gewerbe treibenden Personen (besonders von selbstständigen Handwerkern und Kaufleuten) zur gegenseitigen Unterstützung, zur Wahrung gemeinsamer Interessen, zur Regelung der Ausbildung u. a.

In den Städten des Mittelalters schlossen sich also Handwerker des gleichen Gewerbes zusammen. Die Zünfte bestimmten die Arbeitszeit, die Preise und die Qualität der Waren. Es wurde festgelegt, wie viele Gesellen und Lehrlinge ein Meister haben durfte. Und nur ein Meister, der einer Zunft angeschlossen war, erhielt das Recht, in seiner Stadt sein Handwerk auszuüben. Die Zünfte erließen Vorschriften und Regeln, wie der Beruf auszuüben sei und kontrollierten dies genau.
Vereint in der Zunft konnten sie Einfluss auf die Stadtpolitik nehmen.
Neben den wirtschaftlichen widmeten sie sich auch den religiösen und sozialen Aufgaben. Sie pflegten das Brauchtum und kümmerten sich gegenseitig um das Wohlergehen. Es gab im Mittelalter noch kein staatliches Versorgungsnetz, die Zünfte halfen unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern oder übernahmen die Versorgung der Witwen.
Bild vergrößern Neudenauer Zunftbaum im Mai 2000... er wird direkt neben der Jagstbrücke aufgestellt
Bild vergrößern Im "Falken" steht ein würdiger Tisch für die Zunft - Treffen
Bild vergrößern Die schöne Zunftlade der Neudenauer "Reichzunft" (sie ist mit zwei Schlössern gesichert)
Bild vergrößern Das restaurierte Zunftbuch von 1741 mit Original-Einträgen

Beim Eintritt in eine Lehre wurde die Geburtsurkunde einbehalten, und nach Abschluss oder „Freisprechung“ der Gesellen wurde auch der Gesellenbrief in einer sogenannten Zunftlade aufbewahrt. Diese wurde in der Zunftherberge aufbewahrt. Ging ein Geselle auf Wanderschaft, bekam er nur Abschriften und das Wanderbüchlein mit auf den Weg, in welches lückenlos die Stationen und Termine der mindestens dreijährigen Wanderschaft samt Führungszeugnissen eingetragen werden mussten. Wollte ein Geselle die Meisterprüfung ablegen, war genau bestimmt, wie das Meisterstück auszusehen hatte.
Auf dem Land wurde das Handwerk erst nach dem 30jährigen Krieg organisiert. Auch in Neudenau gab es zusammen mit den Orten Herbolzheim und Stein fünf Zünfte, als älteste war bereits 1655 die Schuhmacherzunft gegründet worden. (Zunftbrief vom Kurfürst von Mainz wird noch in der Zunftlade aufbewahrt.) Weitere vier entstanden im Lauf von etwa 100 Jahren: Die Arme Zunft mit Webern und Schneidern, die Bauzunft mit Maurern, Zimmerleuten, Hafnern, Zieglern und Steinhauern, die Reiche Zunft mit Metzgern, Bäckern, Küfern, Müllern, Seilern, Rotgerbern und Sattlern und als letzte die Grobzunft mit den Meistern der Schmiede, Glaser, Schreiner, Schlosser, Wagner, Flaschner, Buchbinder und Dreher. Der Zunftzwang und dadurch auch die wirtschaftliche Macht der Zünfte wurde nach der Französischen Revolution auch in Deutschland eingeschränkt und 1863 die Gewerbefreiheit eingeführt. Nicht so jedoch in Neudenau. Sie bildeten kurzerhand freie Zünfte. Bis heute haben sich die Grobzunft, die vereinigte Bauzunft und die Reiche Zunft erhalten. Die Wahrung von Sitte, Ordnung und Standesehre als Leitbild wird immer noch gepflegt. Und wenn ein Zunftmitglied oder dessen Ehefrau stirbt, tragen die Zunftkollegen den Sarg als letzte soziale Aufgabe.
Die Zünfte haben eine gemeinsame Herberge. Seit 1980 ist es das Gasthaus ZUM FALKEN, in dem sich die Zünfte zum "Gebot" (etwa eine Hauptversammlung) treffen. Die wertvolle Zunftlade wird jedoch im Tresor der Volksbank aufbewahrt.
Heute übernehmen Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und das Sozialamt die ursprünglichen Aufgaben, die Pflege der Tradition ist geblieben.
Bild vergrößern Seit die Zünfte 1980 im Falken einzogen "lebt" im Gasthaus diese Tradition...
Bild vergrößern darum kümmert sich "Zunftwirt" Rainer Fallmann persönlich